Temperaturdysregulation

Während gesunde Menschen durchaus ihre Körpertemperatur, trotz unterschiedlichen Temperaturen selbst regeln können, ist dieses bei Menschen mit einer Querschnittlähmung nur sehr eingeschränkt möglich. Gerade ich mit meiner hohen Querschnittlähmung habe erhebliche Probleme im Sommer. Zum einen fällt mir das Atmen nicht unbedingt leicht und dieses ist in der Sonne durchaus noch problematischer. Zum anderen ist es mir größtenteils nicht möglich zu schwitzen, weshalb ich zu Überhitzung neige. Je nach Temperaturen und auch Wohlbefinden, habe ich mir unterschiedliche Techniken der Abkühlung angeeignet.

Für die normalen Sommertemperaturen ist ein Ventilator sehr hilfreich. Da gibt es zum einen die kleinen USB Ventilatoren für den Computer oder auch die Powerbank. Die gibt es sogar als Nackenbügel, sodass man links und rechts zwei Ventilatoren auf den Hals gerichtet hat. Diese kleinen Spielzeuge sind ja ganz nett, aber wie schon gesagt es sind Spielzeuge und bringen nicht wirklich die erforderliche Abkühlung. Wenn schon Ventilatoren, dann auf jeden Fall einen mittelgroßen für die Steckdose, damit auch etwas Wind zum Abkühlen ankommt.

Selbstverständlich hat man nicht immer eine Steckdose oder auch einen Ventilator griffbereit, wenn der Körper meint zu überhitzen. In solchen Fällen greife ich gerne zu schnellsten Lösung und lasse mir etwas Wasser über die Schultern sowie den Nacken kippen. Das sieht ehrlich gesagt ein bisschen seltsam aus aber hilft ungemein, wenn man keine andere Möglichkeit hat sich sonst runter zu kühlen.

Sollte eine solche Erfrischung nicht mehr ausreichend sein, dann lass ich auch mal ein nasses Handtuch geben, welches sich über die Schultern trage. Durch die Feuchtigkeit im Handtuch und des Shirts, wird der Körper bei der Verdunstung gekühlt. Sollte es so warm sein, dass man nicht einmal mehr richtig atmen kann, dann kann man das Handtuch auf jeden Fall auch über den Kopf ziehen und nach unten schauen. Somit wird die Luft, welche man einatmet schon abgekühlt und das Atmen fällt einfacher. Man sieht nur etwas blöde aus und die Frisur danach im Arsch. Das sind nur Äußerlichkeiten und die Gesundheit ist nun einmal wichtiger!

Bild zeigt mich vor der Kaiserpfalz in Goslar mit Handtuch um Hals

Für kontinuierlich heiße Temperaturen gibt es auch extra Westen, welche auf die Wirkweise von der Verdunstungskühle setzen. Die saugen sich mit Wasser voll und werden dann über oder unter der Kleidung getragen. Sieht gerade im Sommer etwas Panne aus, wenn man dann noch die Weste an hat aber ich kann aus voller Überzeugung sagen, dass die für extrem heiße Tage sowas von sinnvoll ist. Die Weste hat mir die Urlaubstage in Goslar echt vereinfacht, auch wenn ich teilweise echt blöd angeguckt wurde. Das waren gut investierte 50 oder 60 €. Ich verlinke euch mal nachfolgend zwei Produkte, damit ihr euch mal ein Bild davonmachen könnt.

Gerade zu Hause kann man viel dafür zu beitragen, dass die Temperaturen in der Wohnung niedrig gehalten werden. Da ist z.B. das richtige Lüften oder auch das aussperren der Wärme durch das zuziehen von Gardinen etc. wenn ihr hier noch Tipps haben wollt, schaut mal bei YouTube unter Lüften im Sommer.

Bild zeigt mich mit Kühlweste

Für zu Hause oder unterwegs habe ich auch sogenannte Kühlpacks, welche ich mir gerne mal in den Nacken legen lasse oder um die Handgelenke. Die gibt es in unterschiedlichen Längen, durchaus auch mal bei Lidl oder Aldi im Angebot. Ich füge euch mal zwei Artikel anbei

Wenn die Temperaturen im Schlafzimmer ein gewisses Niveau nicht mehr unterschreiten, dann ist mir gerne mal zu warm, weshalb ich die Bettdecke weglasse. In solchen Fällen ist durchaus hilfreich sich einen nassen Waschlappen oder Handtuch auf den Körper legen zu lassen. Das funktioniert besonders gut, wenn die Luft noch nicht zu sehr mit Feuchtigkeit gesättigt ist. Gute Stellen bei mir sind unter anderem der Kopf, Nacken, Halsbereich oder auch die Handgelenke. Es darf nicht vergessen werden, dass die Art von Kühlung zu einer Lungenentzündung führen kann. Weshalb gerade Tetras mit Problemen der Atemwege hier etwas vorsichtig sein sollten.

Eine weitere sehr gute Möglichkeit die Temperaturen angenehm, zu halten ist eine etwas energiehungrige und dementsprechend nicht ganz so grüne Methode. Es handelt sich hierbei um die Klimaanlage. Am effizientesten ist hier die sogenannte Split Klimaanlage, welche über ein kleines Gerät innen verfügt und ein großes Kühlelement draußen. Diese Variante sollte für die meisten nicht in Betracht kommen, da entweder die Nachbarn genervt sein dürften vom Geräuschpegel oder es aufgrund der kleinen baulichen Veränderungen Ihnen mit Mietwohnungen nicht erlaubt ist. Deshalb kann ich hier ein mobiles Klimagerät mit Abluftschlauch empfehlen. Hierbei ist beim Betrieb zu beachten, dass die nach außen abzuführende Luft nicht wieder durch das offene Fenster reinkommt. Um dieses zu verhindern, gibt es extra Fensteradapter oder man bohrt ein Loch durch die Fassade, wenn man dies darf. So eine Klimaanlage kostet in der Regel neu um die 250 € aufwärts. Wer nicht unbedingt ein nagelneues Gerät möchte kann sich am besten eines im Winter über eBay oder eBay Kleinanzeigen kaufen. So bin ich an mein kostengünstiges Gerät gekommen, welches weniger als zwei Jahre alt und kaum in Nutzung war. Mit 35 € zuzüglich ungefähr 15 € Spritkosten, habe ich nichts falsch gemacht. Somit hat man ein günstiges Gerät und kann die paar Euro mehr Stromkosten gut verkraften.

In der kalten Jahreszeit ist das ganze etwas anders. Meine Körperbereiche an denen ich noch etwas merke signalisieren mir gerne mal, dass es kalt ist, weshalb mir grundsätzlich im Winter kalt ist, auch wenn es im ganzen Körper eigentlich anders aussieht. Da es im Winter grundsätzlich auch nass ist, verziehen wir Rollstuhlfahrer uns gerne nach drinnen genau wie jeder andere auch. Es ist zu Hause bei einer Tasse Tee auch viel gemütlicher als draußen. Um mir keine Erfrierungen zu holen, wenn ich doch mal draußen unterwegs bin benutze ich gerne Termojeans und Termosocken. Ein sogenannter Fußsack. ist etwas unpraktisch im Aktivrollstuhl meiner Meinung nach, wobei es durchaus ein paar nette Modelle gibt.

Eine weitere Sache auf die ich nicht verzichten kann im Winter ist mein Körnerkissen für den Nacken, welches ich mir in der Mikrowelle warm machen lasse. Hier wäre eine Wärmflasche nicht so praktisch, da man dieses schlecht im Nackenbereich platzieren kann und dort die meisten Tetras noch was spüren von der Wärme. Trotz alledem ist natürlich auch eine Wärmflasche im Bett sehr angenehm und kann bei Verdauungsproblemen helfen. Seit kurzem habe ich auch einen beheizbaren Schal, welcher über Akku läuft. Ich sag‘s euch, dass es eine Wohltat unterwegs und das beste Geschenk, welches man mir machen konnte.

Selbstverständlich gibt es eine Menge beheizbare Sachen wie z.B. Schuheinlagen, welche über Batterien laufen oder auch Decken und Kopfkissen, die teilweise über einen Stromanschluss verfügen. Hier sollte auf jeden Fall mit etwas Vorsicht vorgegangen werden, da bei Tetras zum einen teilweise das Gefühl fehlt und die Gefahr von Verbrennungen besteht. Zum anderen gibt es immer noch die Möglichkeit von Fehlfunktionen, weshalb es zu Kurzschlüssen kommen könnte. Ich für meinen Teil muss sagen, dass ich nicht unbedingt verbrennen möchte und gehe so ein Risiko gar nicht erst ein. Für den einen oder anderen ist es dennoch eine gute Möglichkeit der Kälte entgegenzuwirken.

Was für Tipps andere im Umgang mit Wärme und Kälte haben, dass findet Ihr auf der-Querschnitt.de?
Wie kommt ihr bei Temperaturen mit Querschnittlähmung klar

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