Träume, mein Antrieb fürs Leben

Eines möchte ich bitte vorab einmal abklären. Die folgenden Zeilen fallen mir nicht ganz leicht. Nur so kann ich Euch verdeutlichen, welche Kraft für mich in den Träume liegt. Außerdem dass ich einige Male, wirklich echt am Boden war und mich trotzdem raus gekämpft habe, damit ich jetzt mein glückliches Leben führen kann. Mir ist es auch extrem wichtig, dass meine Familie, das nicht eventuell in den falschen Hals bekommt. Es tut mir echt leid, wie ich damals war und wenn ich es ändern könnte, dann würde ich‘s ändern wollen. Wobei ehrlich gesagt, ich war halt ein Kind und verstand die Welt noch nicht, ändern würde ich jetzt nicht mehr. Dafür habe ich mir, trotz der ganzen Probleme, ein viel zu gutes Leben aufgebaut und habe mich schlussendlich gefunden.

Vielleicht muss das jetzt auch einfach mal sein, um von meiner Seite das Kapitel endgültig abzuschließen. Es ist auf jeden Fall meine Geschichte und die lässt sich bekanntlich nicht ändern. Es hat mich zu denjenigen gemacht, der ich jetzt nun einmal bin und das ist gut so! Wie Andere mich haben wollen ist mir egal und das war schon immer so! Ich habe halt nur Sachen gemacht, worauf ich wirklich Lust hatte. Auf weitere Fragen zu meinem Leben, vor meinem Unfall, werde ich definitiv hier nicht eingehen. Da ich möchte, das der Rest privat bleibt. Danke für euer Verständnis!

Der unbändige Junge

Erinnert Ihr euch noch an eure Kindheit? Die Zeit, in der im „Idealfall“ alles noch so leicht und unbeschwert war. Fernab von den Sorgen, die das Leben als Erwachsener nun einmal von ganz allein mit sich bringt. Bei mir war das alles nicht so der Hit und stellenweise echt ein riesiger Horror. Kurz zur Erklärung: Ich habe diagnostizierte ADHS und konnte mich deshalb noch nie lange konzentrieren bzw. schwer auf eine Sache fokussieren. Gerade in stressigen Situationen ist es umso schwerer. Trotz alledem bin ich in den konzentrierten Phasen ein sehr helles Köpfchen. Zumindest, wenn ich Lust auf eine Sache habe.

Natürlich war ich echt nicht einfach totzukriegen. So einen zappelnden Philipp könnt ihr euch gar nicht vorstellen, wie ich früher war. Mich ruhig zu halten war ein Ding der Unmöglichkeit. Wenn ich mal gesessen habe, dann hat grundsätzlich der Fuß gewackelt und je nach Boden, der gleich sogar mit. Als wenn ich an einer alten Nähmaschine saß, wippte der Fuß hoch und runter.

Die Schulzeit war echt nicht leicht für mich und hat einige Seelischen-Narben hinterlassen. Da ich leider nicht die neuesten Markenklamotten oder sonst was Angesagtes bekommen konnte und zu allem Überfluss auch noch etwas übergewichtig war, wurde ich aufs heftigste gemobbt. Mir hat ein anderer Junge in den Schulranzen gepinkelt, um dem ganzen Mal ein Beispiel zu geben.

Zum einen wollte ich in der Schule meinen Spaß haben, fernab von dem Problemen zu Hause. Zum anderen hatte ich einfach Langeweile, weil der Stoff zu langsam für mich übermittelt wurde oder sprichwörtlich uninteressant war. Regeln haben mich nicht unbedingt interessiert, weshalb ich oft negativ aufgefallen bin und es zu Hause natürlich erheblichen Ärger gab. Es gab da noch einige andere Probleme zusätzlich, aber die tun hier nichts zur Sache. Ich bin halt so und das ist gut!

Der einzige Traum

So wie ich war, sieht nun mal ein überhaupt nicht ausgelastetes Kind aus. Aus meiner Sicht kann ich sagen, dass ich halt ein Träumer war und nur mein Ding durchziehen wollte. Ohne mir ständig sagen zu lassen, was ich tun oder wie ich sein soll. In der ganzen Zeit, habe ich nur einen wirklich festen Traum entwickelt bzw. ich habe meinen Traumberuf gefunden. Das war aber wirklich ein dummer Zufall. Ein kleines Kind, mit einer Metallschere in der Hand und ein Stromkabel ist so gut. Es war definitiv nicht die klügste Idee von mir gewesen, wie ich festgestellt habe. Das hat sowas von gezogen in den Fingern, als ich in das Kabel geschnitten habe. Danach war mir klar, dass ist ja faszinierend und mein Traumberuf ist Elektriker.

Die Sache mit Zuhause und der Schule hat mich echt fertig gemacht, weshalb ich mich etwas verschlossen habe. Mit 11 Jahren wurde es dann so richtig hart für mich. Ich bin zu Hause rausgeflogen und bin für 2-3 Wochen im Kinder und Jugendnotdienst gelandet. Da kommt nun ein kleines Kind, welches die Welt noch nicht versteht, in eine fremde Umgebung. Mit meiner Kelly Family Fahne, ging es für mich in ein kleines Zimmer, fernab von der gewohnten Umgebung. Dort gab‘s dann meine ersten Berührungspunkte, mit Jugendlichen, welche mit Drogen oder auch der Kinderprostitution zu tun hatten. Da kann man sich vorstellen, dass das nicht förderlich ist für die Entwicklung eines Kindes!

Nach einem kurzen Aufenthalt zu Hause, bin ich dann schlussendlich in einer Wohngruppe gelandet. Das beste was mir in meinem Leben passieren konnte, weil ich so endlich Kind sein konnte und mich austoben. Danach hatte ich einen kurzen Aufenthalten, bei je einem Elternteil, nach der Trennung. Dann ging das gleiche Spiel von vorne los und ich bin wieder im Kinder und Jugendnotdienst gelandet, mit anschließendem Wohngruppenaufenthalt. In der Schule lief es weiterhin nicht richtig. Ich war grundsätzlich der Außenseiter an den Schulen. Kaum einer wollte etwas mir was zu tun haben und deshalb hab ich auch sehr viel geschwänzt. Da war ich lieber spielen bei Karstadt oder Media Markt an der Playstation. Meine Noten waren ausreichend für den Hauptschulabschluss und das war mir nur wichtig. Somit war es, aus meiner damaligen Sicht, ausreichend für eine Ausbildung zum Elektriker. Auch wenn ein Realschulabschluss allgemein besser gewesen wäre. Hauptschulabschluss mit 3,0 ist jetzt nicht unbedingt der Kracher aber war ausreichend um mir dann eine Ausbildung zum Elektroinstallateur an Land zu ziehen. Somit war der Weg zum Traumberuf zumindest eingeschlagen.

Das große Erwachen

Nach meinem Auszug, aus der Wohngruppe, zurück zu meinem Vater, fing alles wieder an den Bach runter zu gehen. Weshalb ich aus zog und einen Antrag auf eine Jugendwohnung stellte. Seit dem ich 16 Jahre alt bin, wohne ich alleine. Danach wurde es richtig bunt. Ich hab zwar das richtig schöne Hobby Musik auflegen für mich entdeckt, aber ich bin auch richtig abgestürzt. Drogen und Party, das war mein neues Leben. Neun Monate vor der Prüfung, schmiss ich tatsächlich meine Ausbildung hin und habe etliche dumme Dinge gedreht. Keine Gedanken mehr in die Zukunft, keine Träume und auch keine Perspektive. Total orientierungslos lebte ich nur von einen Tag, in den anderen Tag.

Es war die Nachricht, dass meine damalige Freundin schwanger ist, welche mir wieder ein Weg und Träume aufgezeigt hat. Von Heute auf Morgen, hörte ich mit allen krummen Sachen auf und verabschiedete mich von den Drogen. Sogar zur Bundeswehr bin ich freiwillig gegangen, um noch mal einen Anlauf, für eine Ausbildung zu nehmen und aus bestehende Strukturen rauskomme. Mir war bewusst, ich muss mein Arsch hochkriegen und für meine Tochter da sein. Die Beziehung mit ihrer Mutter hielt nicht und ich bin die letzten Monate, in der Beziehung, sowas von kaputtgegangen. Ich bin dann wieder bei den Drogen gelandet. Auch wenn ich keine Lust mehr, auf eine dritte Ausbildung zum Elektriker hatte, wollte ich zumindest nur anständige Ausbildung haben. Nach reichlicher Überlegungen und der Tatsache, dass ich mit Zahlen ganz gut kann, wollte ich ins Büro wechseln. Um das zu erreichen, habe ich mich beim Amt für das nachholen vom Realschulabschluss gemeldet, wo ich dann auch für einen Kurs angemeldet wurde. Ich hatte stets den Traum, für meine Tochter dazu sein und dafür wollte ich etwas tun. Naja, kurz danach bin ich im Drogenrausch, in den See gehüpft und damit ist die Vergangenheit geschichte.

Die schmerzhafte Erkenntnis

Um an den unterschiedlichen Punkten meiner Jugend nicht zu zerbrechen und durchzuhalten, haben mir die Träume etwas Orientierung gegeben. Bis zu dem Punkt im Stadtpark, habe ich echt nichts relevantes aus meinem Leben gemacht gehabt . Über 23 Jahre voller Leid und Schmerz. Es war nicht einfach sich mit allem noch mal auseinanderzusetzen während meiner Reha. Oder um noch mal Mut, für ein weiteres Mal aufstehen zusammen zu kratzen. Doch diesmal wollte ich alles für meine Träume tun, ich hatte ja sonst nicht wirklich viel und vielleicht brauchte ich das, um endlich den Arsch hochzubekommen.

Mittlerweile bin ich überhaupt nicht mehr der Sascha, der ich früher einmal war. Bis auf eine Tatsache und das sind die Träume. Natürlich habe ich nicht nur die Träume gehabt, sondern mir auch richtig Gedanken gemacht, z.B. über den Weg dahin. Also welche Etappen muss ich nehmen, damit ich eines Tages, am Ziel und endlich Zuhause ankomme. Da ich keine abgeschlossene Ausbildung hatte und auf jeden Fall wieder arbeiten gehen wollte, war eine Ausbildung wichtig und mein erstes Etappenziel.

Das war ein Verdammt harter Weg bis jetzt. Ein sehr schmerzhafter und vor allem lehrreicher Weg liegt hinter mir. Der Weg war dann aber auch wiederum sehr lohnenswert und lehrreich. Dabei komme ich mittlerweile durchaus auf zwei Jahre Krankenhaus, bei 12 Jahren Querschnittslähmung. Mental war das Phasenweise eine echte Herausforderung. Ein paar gesundheitliche Sachen, sind durch eigene Dummheit entstanden und andere Probleme wiederum wurden mir sozusagen aufgezwängt. Sowohl von gesetzlicher Seite (Behörden), als auch durch die Versorgung, von verschiedenen Dienstleister oder sind einfach Auswirkungen meiner Querschnittslähmung.

Nach fast 5 harten Jahren ohne Assistenz, hatte ich endlich meine ersehnte Ausbildung in der Tasche. Noch einmal knapp anderthalb Jahre später, habe ich doch tatsächlich einen Arbeitsplatz gefunden und das sogar auf dem ersten Arbeitsmarkt. Traum und Ziel sich selbst verwirklicht, dass macht mich stolz. Außerdem motiviert es mich ungemein, weiter an meinen Zielen und Träumen zu arbeiten. Welche das sind, das füge ich euch am Ende mal mit meiner Löffelliste an. Dann könnt ihr ja mal sehen, was ich für große Träume und Ziele ich für mein Leben habe.

Was andere Tetras für einen Weg hinter sich haben, dass findet ihr bald in der Rubrik „Andere Perspektiven“. Ich suche hierfür übrigens interessierte Tetras, welche andere an ihren ersten Jahren teilhaben lassen wollen. Solltet Ihr Interesse haben, so schreibt mich gerne an.

Mein persönliches Fazit

Nur wer Träume hat, der weiß wo sein Leben hingehen sollte und hat eine Richtung. Es liegt dann nur noch an den richtigen Entscheidungen, um diesen Weg, in die Richtung „Träume“ zu lenken. Zu diesem Thema „Entscheidungen“ kommt noch mal ein Beitrag. Es heißt grundsätzlich, dass man richtig groß Träumen soll, damit möglichst viel davon auch in der Erfüllung geht. Ich mag diesen Ansatz und lebe ihn. Seit ich mich damals auf meinem Weg begeben habe ist sehr viel passiert. Darum kann ich sagen, dass bisher viele Sachen von alleine zu mir gekommen ist, als ich meinen Weg entlang gerollt bin. Nennt es Schicksal oder Glück, in den richtigen Momenten, kamen die richtigen Möglichkeiten ins Leben. Was mir wiederum gezeigt hat, das ich in die richtige Richtung gehe und viel Kraft gab.

Tue etwas!

Natürlich sind Träume nicht alles im Leben. Man muss schon etwas dafür tun, damit die Träume sich erfüllen. So habe ich natürlich ordentlich was getan, um an diesen Punkt zu kommen. Das was ich Alles erreichen möchte, erreiche ich nicht ohne etwas dafür auch zu tun.

In den letzten fünf Jahren habe ich die größten Sprünge gemacht. Da ich viel Zeit hatte und irgendwie nicht zufrieden mit mir selbst war, habe ich mich u.a. mit dem Thema Persönlichkeitsentwicklung auseinandergesetzt. Zu diesem Thema gibt es übrigens den super YouTube Kanal „Flowfinder“. Klick

Sehr inspirierendes Video

Es gab bei mir einige Probleme zu beheben. Z.b. mit dem Selbstwert, der Disziplin und eine große innerliche Unzufriedenheit, welche an mir nagte. Dabei habe ich richtig viel Zeit in mich selbst investiert und nebenbei meine Fahrpläne zu den Träumen ausgearbeitet. Das war die beste Investition. Es hat sich gelohnt und der Weg geht so weiter. Von alleine kommt nichts und man lernt halt nie aus.

Wenn man merkt, dass man an etwas Spaß hat und es nicht gut kann, dann sollte man was dafür tun, dass man es dann zumindest lernt. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Es wird immer wieder mal Momente geben, da würde man gerne alles hinschmeißen, nur genau an diesen Momenten wachsen wir. Im Endeffekt, ist alles eine Frage des Willens. Das liegt halt an einem selbst, was aus dem Leben und der Träume wird.

Bei uns hier in Deutschland, haben wir es mit dem Sozialsystem verhältnismäßig gut. Ich möchte jetzt hier nicht alles loben, aber es könnte uns erheblich schlechter gehen. Um die Versorgung, muss man sich, im besten Fall, nicht viel Gedanken machen. Dennoch benötigt man bei Behörden einen langen Atem, bis alles eingespielt ist und da können etliche Monate oder Jahre vergehen. Gerade am Anfang einer Querschnittlähmung, wo noch so vieles neu ist, kann man durchaus etwas Unterstützung gebrauchen. Die bekommt man hier in Deutschland, zum Glück zu genüge. Ein paar Beratungs- und Hilfsangebote habe ich übrigens hier stehen. Klick

Jetzt überlegt euch mal, was für Träume und Ziele habt ihr? Am besten ist es, sowas immer mal aufzuschreiben. Nur was irgendwo niedergeschrieben ist, ist auch ein Plan und den zu haben ist nicht verkehrt. 😉 meiner Löffelliste, die findet ihr jetzt hier.

Was ist denn eure Meinung, zu diesem Thema? Schreibt es gerne in die Kommentare!

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