Neue e-Motions – Hat denn überhaupt jemand eine Ahnung?

Mir ist letztens wieder etwas unglaubliches passiert, als ich mir die neuen e-Motions M25 rezeptieren ließ. Diese Aktion ist mal wieder ein perfektes Beispiel dafür, dass einige Leute wohl während der Arbeitszeit gedanklich abwesend sind. Solche Unachtsamkeiten können das ein oder andere Mal echte Probleme verursachen. Fangen wir mal vorne an, damit ihr wisst worum es geht.

Meine Restkraftverstärker

Jeder der mich kennt weiß, dass ich meine Restkraftverstärker e-Motions M15 von Alber liebe und jeden ans Herz lege, welcher Probleme beim antreiben eines aktiv Rollstuhls hat, obwohl die Arme eine ausreichende Funktion besitzen. Die e-Motions möchte ich echt nicht missen, da sie mir es ermöglichen mit einem kleinen aktiv Rollstuhl eigenständig unterwegs sein zu können, ohne mir Gedanken darüber machen zu müssen, ob ich die Strecke überhaupt schaffe. Genau aus diesem Grund habe ich bereits beiläufig in einigen Sequenzen meiner Videos gezeigt, dass ich rückwärts irgendwo hochfahre.

Durch diese Bewegungsfreiheit brauche ich nicht meinen riesigen Elektrorollstuhl nutzen, welcher bei mir im Schlafzimmer hinter der Tür steht und einstaubt. Mein E-Rolli wird halt nur rausgeholt, wenn es unbedingt notwendig ist oder ich zweimal im Jahr damit zum Zahnarzt fahre. Außerdem ist durch die Restkraftverstärker dieses ätzende Gefühl weg, sich schieben lassen zu müssen und dabei nicht kontrollieren zu können wohin der Rollstuhl rollt. Es gibt halt viele kleine Hindernisse auf dem Weg und richtig viele Scherben. Des weiteren darf man nicht vergessen, dass ein selbstständiges antreiben des Rollstuhls auch ein Stück „Freiheit“ ist!

Obwohl ich damit super viel unterwegs war und dabei i.d.R. keine Hilfe benötigte, gab es trotzdem Momente, an denen ich aufgeschmissen war. Entweder ist ein Hügel zu steil gewesen, so dass ich ohne die Rückrollverzögerung den Berg im Zickzack hochfahren durfte oder Mal überhaupt nicht hoch kam. Ging ein Berg dagegen steil hinab, so bin ich manchmal durchs Gefälle und Bremen nach vorne in meinen Brustgurt gekippt, weshalb ich noch schlechter bremsen konnte und manchmal durchaus etwas Angst bekam. Ein starkes Bremsen war für mich, abgesehen von dieser Tatsachen mit dem nach vorne kippen, generell nicht ganz so leicht, da die Arme gerne mal nicht den benötigten Grip aufbauen wollten.

In solchen Fällen musste ich mir grundsätzlich helfen lassen oder die besagte Rückrollverzögerung einstellen. Berg hoch klappt das mit der Rückrollverzögerung ganz gut und man hat genügend Zeit, um noch mal beim Greifreifen nachzufassen. Runter bringt mir diese Funktion nicht viel, zumindest wenn ich nach vorne Kippe. Vom Sicherheitsaspekt her ist die Funktion dennoch nützlich, da der Rollstuhl kurzzeitig stehen bleibt. Das Blöde mit der Rückrollverzögerung bei den M15 ist, dass für die Aktivierung die Fernbedienung benötigt wird und nach einem manuellen einschalten aufs Neue aktiviert werden muss. Die Fernbedienung hätte ich darum dauernd mit rumschleppen müssen. Es ist ja jetzt nicht so, dass sie besonders klein ist, weshalb das total unpraktisch war und etwas nervig.  Zum Glück ist Hamburg eher flach, darum ist die Rückrollverzögerung nicht wirklich relevant.

Über die letzten 12 Jahre hinweg haben mir die M15 wenig Probleme gemacht- Trotzdem wurden die e-Motions einige Male ausgetauscht. Entweder hat der Sensor an den Greifreifen Probleme gemacht, weshalb die e-Motions entweder nicht anspringen wollten oder einfach weiter fuhren, als ich es eigentlich wollte. Der Rollstuhl ist mir während der Fahrt auch schon ein paar Male einfach ausgegangen, was nicht nur an der Straße sondern gerade bergab sehr gefährlich ist. Es waren schon so ein paar Schockmomente dabei, welche mich die letzten zwölf Jahre spüren ließen, dass ich noch lebe. 

Ansonsten gab es nur noch gerne Probleme beim Laden, weshalb sie manchmal gepiepst haben. Dafür, dass ich mittlerweile zwölf Jahre die M15 fahre, habe ich dennoch verhältnismäßig wenig Probleme gehabt. Sollten mal Defekte auftauchen, garantiert Alber zum Glück einen schnellen Versand von Austauschgeräten oder Ersatzmaterial. Somit sind weshalb diese Hilfsmittel schnell repariert. So etwas für Hilfsmittel ist ein dicker fetter Pluspunkt!

Das neue Modell

Bei den neuen e-Motions M25 hat Alber sich echt Gedanken gemacht. Das neue Modell lässt sich jetzt sogar über App steuern, weshalb eine Fernbedienung überflüssig wird. Außerdem hat Alber, neben ein paar netten neuen Funktionen, mit dem „Cruise Mode“ eine für mich wichtige Funktion hinzugefügt. Im Cruise Mode hält der Rollstuhl eine Geschwindigkeit ab zwei km/h und rollt gerade aus. Dieses soll gerade Berg hoch und vor allem runter genauso gut funktionieren, wie auf gerader Strecke, weshalb ich die M25 unbedingt haben möchte.

Da ich möglichst lange im aktiv Rollstuhl sitzen möchte und schon so langsam die Schultern merke an einigen Tagen, ist mir das neue Modell umso wichtiger. Somit habe ich mich an mein Sanitätshaus gewendet, bei dem ich aktuell meine Restkraftverstärker des Modells M15 habe und nachgefragt, wie es bei einer Fallpauschalenverlängerung mit dem Modell M25 aussieht. Erwartungsgemäß habe ich eine Ablehnung erhalten, mit der Begründung, dass dieses für das Sanitätshaus nicht wirtschaftliches und ich weiterhin das Modell M15 behalten werde. Dieses war jetzt nicht unbedingt die Antwort, die ich hören wollte dennoch erwartungsgemäß war. 

Nur wollte ich mich damit nicht zufrieden geben, da ich keine weiteren fünf Jahre an die M15 gebunden sein möchte. Aus diesem Grund habe mich an einen Sachbearbeiter eines anderen Sanitätshauses gewandt, welches mir ein paar meiner Hilfsmittel geliefert hat. Nachdem ich angefragt habe, wurde mir gesagt, dass dies kein Problem sei und ich zum Ende der Fallpauschale ein Rezept einreichen soll. Jackpot, wieder einmal soll ich das Hilfsmittel bekommen, welches ich unbedingt haben wollte. Sowas ist ja leider nicht immer gegeben!

ACHTUNG: Es besteht kein gesetzlicher Anspruch auf ein bestimmtes Hilfsmittel, wenn es noch ein vergleichbares Hilfsmittel im Bestand (Pool) von den Krankenkassen oder Sanitätshäusern gibt. Um dennoch ein bestimmtes Hilfsmittel auf Kulanz zu bekommen, solltet ihr euch stets um einen guten Draht zu euren Sanitätshaus bzw. den Mitarbeitern bemühen. Wie man in den Wald rein ruft, so schallt es auch wieder raus. Das ist nicht nur ein Spruch!

Die verkorkste Beantragung

Da ich nicht mehr wusste bis wann genau die Fallpauschale läuft, habe ich bei meiner Krankenkasse angerufen und nachgefragt. Natürlich hätte ich auch mein Sanitätshaus fragen können. Nur wollte ich keine schlafenden Hunde wecken und noch nicht durchblicken lassen, dass ich zum Ende der Fallpauschale das Sanitätshaus wechseln möchte. Wer weiß, ob ich nicht noch eine Reparatur benötigt hätte und dann ggf. nachrangig bearbeitet worden wäre. Die nette Dame, von meiner Krankenkasse, am Telefon sagte mir, dass die Fallpauschale bis August läuft und ich ab Juni ein Rezept einreichen kann.

Freudestrahlend wartete ich noch ein paar Wochen und organisierte dann dieses Rezept. Nachdem ich das Rezept erhalten habe, schickte ich es zum neuen Sanitätshaus. Es dauerte ein paar Tage und mich rief ein Sachbearbeiter an. In unserem kurzen Telefongespräch erzählte er mir, dass er mit meinem alten Sanitätshaus telefoniert hat und die  Fallpauschale bis Oktober läuft und ich doch bitte ab August ein Rezept einreichen soll. Natürlich war ich etwas irritiert, da ich bei meiner Krankenkasse direkt angerufen habe und die Auskunft mit August von denen kam.

Im August habe ich dann ein neues Rezept geordert und dieses wieder an das neue Sanitätshaus geschickt. Wieder einmal klingelte einige Tage später bei mir das Telefon und mir wurde vom Sachbearbeiter mitgeteilt, dass mein altes Sanitätshaus irgendwie keine Ahnung hat und die Fallpauschale jetzt nach Aussage der Krankenkasse bis Januar 2021 läuft. Mein Sachbearbeiter und ich witzelten etwas darüber, dass im November dann die Aussage sein wird, dass ich doch bitte im Januar ein Rezept einreichen möge. Vielleicht wäre es sogar sinnvoll gleich bis zum Januar zu warten. 

Es vergingen ein paar Wochen und ich habe plötzlich Post von meinem alten Sanitätshaus bekommen. In dem Schreiben stand dann drinne, dass die Fallpauschale bis zum 29. November 2020 läuft und ich für eine Weiterversorgung doch bitte ein neues Rezept einreichen oder das Hilfsmittel zurückgeben soll. Als ich diesen Brief gelesen hab musste ich lautstark lachen, da mir diese Aktion mal wieder gezeigt hat, dass man sich durchaus fragen kann: hat denn überhaupt einer hier eine Ahnung?

Sowohl die Krankenkasse als auch das alte Sanitätshaus haben falsche Informationen rausgegeben. Es ist nicht das erste Mal und wird garantiert nicht das letzte Mal sein, dass etwas in einer Sachbearbeitung schiefläuft. Erst im September habe ich eine Zahlungsaufforderung über 6000 € vom sozialen Dienstleistungszentrum erhalten, welches meine Assistenz übernimmt und bis zur Neuberechnung der Rente, mir Grundsicherung gezahlt hat. Eigentlich sollte die Zahlungsaufforderung an die Rentenversicherung geschickt werden und ist dann fälschlicherweise bei mir gelandet inkl. mich als Empfänger. Gerade zeitgleich, als das Finanzamt von mir knapp 600 € für die Steuer 2018 zurück möchte. Die Summen haben echte Schnappatmung in mir ausgelöst, da ich auf eine Nachzahlung warte und nicht auf einen Schuldenberg.

Das Fazit

Die ganzen letzten Jahre meines Lebens, sowie im Job haben mir gezeigt, dass unsere Bürokratie in manchen Bereichen an der Belastungsgrenze ist und sich deshalb häufig Fehler einschleichen. Selbst wenn es mal keine Fehler gibt, dauert eine Sachbearbeitung teilweise viel zu lang. Sowas sieht man dann an meiner neurologischen Reha, welche von mir im Januar beantragt wurde. Mein Antrag ist von der Krankenkasse zur Rentenversicherung weitergeleitet worden, da ich arbeiten gehe. Von der Rentenversicherung ist es natürlich zurück zur Krankenkasse geschickt worden. Mit dem Vermerk, dass ich Rentner bin und die Zuständigkeit bei der Krankenkasse liegt. Mir war das bewusst, weshalb der Antrag ja zur Krankenkasse gegangen ist. Danach ist der Antrag für acht Monate in einer falschen Akte gelandet und erst durch meine Nachfrage aufgefallen.

Solche Sachen sind für die betroffenen Personen manchmal echt belastend und betrifft nicht nur Menschen mit einer Behinderung, sondern alle Menschen, welche in irgendeiner Form abhängig sind vom Amt. Da hilft nur durchatmen, nachhaken, sich nichts gefallen lassen und um sein Recht kämpfen. Solltet ihr nicht weiter wissen, dann lasst euch beraten beziehungsweise helfen. Es gibt sehr viele gute Beratungsstellen, die euch bei Problemen helfen. Schaut gerne mal hier, da habe ich ein paar aufgelistet. Klick

Wir haben es mittlerweile Ende November und ich habe tatsächlich die M25 erhalten. Ganz ausführlich werde ich noch mal in ein Video auf dieses Hilfsmittel eingehen und es für euch auf Herz und Nieren prüfen. Denn ich bin richtig gespannt, ob es so funktioniert, wie ich es hoffe.

Auf alle Fälle bin ich extrem dankbar, dass es schlussendlich dann doch geklappt hat und ich nicht fünf weitere Jahre mit dem alten Modell meiner e-Motions fahren muss. An dieser Stelle vielen herzlichen Dank an die Beteiligten!

3 thoughts on “Neue e-Motions – Hat denn überhaupt jemand eine Ahnung?

  1. servus,
    kurz zu mir: seit 08/99 tetra, c5.
    es wurde mal zeit für meinen 3. rolli und jetzt steht da ein m25 und ich bin nach dem ersten feldversuch absolut schockiert! das teil bremst ja gar nicht selbstständig, wenn es bergab geht – für mich völlig unbrauchbar. fahre seit 22 jahren den e-support ( bock ) / servomatic ( meyra ) – selbes system und sobald es bergab geht, muss ich nur loslassen und es geht gebremst langsam abwärts – perfekt! aber der m25 gleicht ja einem himmelfahrtskommando…bin gespannt, was mein sanitätshaus macht – soll jetzt den duo-motion testen – keine ahnung, wie ich den als tetra bedienen soll 😀
    pass auf dich auf!
    frank

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